Geogr. Breite 47° 18,936’ - Geogr. Länge 10° 12,753’

 

1935

Anderl Heckmair war im Winter 1935/36 als Skilehrer auf der Schwendle-Hütte am Eingang des Wildentals. Er stieg nachmittags ganz alleine zum Fiderepass hinauf, legte sich bei untergehender Sonne ein wenig hin und schlief ein. Als er erwachte war es stockdunkel. Er dachte sich: „Hier müsste eigentlich eine Hütte stehen“.

1938

Aufgrund dieser Idee entstand unter der Regie der Ordensburg Sonthofen im Jahr 1938 auf dem Fiderepass eine 2-räumige Hütte, die nach dem tödlich verunglückten Füssener Bergsteiger Hermann Schertel benannt worden war - auf dem Hochplateau in 2070 m Höhe, zwischen Schüsser und den Schafalpenköpfen, mit unvergleichlichem Panoramablick auf Oberstdorf und die Allgäuer Berge, ins Kleinwalsertal und seinem hochaufragenden Ifen.

1947

Die Hütte war nach dem Krieg aufgelassen. Dies bot dem damaligen Vorstand des Alpenvereins der Sektion Oberstdorf Dr. Toni Burkhard die Gelegenheit, der Sektion einen lang ersehnten Wunsch zu erfüllen. Am 01.08.1947 konnte er für die Sektion Oberstdorf das Grundstück am Fiderepass mit 4512 qm samt Hütte zum Preis von DM 13.000.- käuflich erwerben.

Seinerzeit kursierte das Gerücht, ein Maultier, welches von seinem Führer am Grenzstein zwischen Deutschland und Österreich festgebunden worden war, habe diesen so wichtigen Punkt auf deutsches Terrain versetzt. Eine Neuvermessung brachte die Aufklärung. Heute verläuft die Staatsgrenze über die Terrasse. Jeder Gast kann nun wählen, in welchem Land er sein Bier trinken möchte. Einen Reisepass braucht es aber nicht und Währungsprobleme hat es auch noch nie gegeben. Die Hütte auf dem Fiderepass verfügt bis heute über keine Trinkwasserversorgung. In den 40er Jahren wurde das Wasser aus dem Kanonenrohr mittels Muli zur Hütte transportiert.

1956

Ab dem 31.08.1956 erfolgt die Wasserversorgung über die neu erstellte Materialbahn aus dem Wildental. Der Bau dieser Bahn wurde möglich, nachdem der damalige Vorstand Dr. Toni Burkhard und sein Schatzmeister Ludwig Müller ohne jegliches Eigenkapital das Wagnis eingingen, eine Materialbahn zu projektieren und zu erstellen. Aus heutiger Sicht ein nahezu unvorstellbarer Kraftakt, der sich jedoch für die Hütte sehr gelohnt hat. Er wurde von Ludwig Müller als der 6. Grad in der Verwaltungsarbeit bezeichnet.

1969

Nachdem der Wassertransport mit der Materialbahn zu umständlich wurde, installierte man im Jahr 1969 im Kanonenrohr eine Wasserversorgungsanlage. Der größte Wasserspeicher für die Hütte ist das Schneefeld im Fiderekar. Das Oberflächenwasser wird im Kanonenrohr gesammelt und in einen Hochbehälter oberhalb der Hütte gepumpt. Die Qualität des Wassers erfordert eine Chlorierung, Trinkwasser gibt es auf der Hütte deshalb nur aus der Flasche.

1972 - 1974

In den Sommern 1972 bis 1974 wurde der Erweiterungsbau der Fiderepasshütte erstellt. Aus der ursprünglichen 2-Raum-Hütte entstand die heutige Hütte. Das Material wurde im wesentlichen mit der Seilbahn befördert. Der Hubschrauber kam nur zum Einsatz, als die Riemenscheibe der Seilbahn den erheblichen Lasten nicht mehr standgehalten hatte. Ohne Telefon und Funkverbindung war auch dieser Bauabschnitt eine organisatorische Meisterleistung.

In den folgenden Jahren wurden stetig Renovierungs- und Instandhaltungsarbeiten vorgenommen. Einige Dinge wurden modernisiert.

1978

1978 wurde der Dieselantrieb der Materialseilbahn durch einen Elektromotor ersetzt. Gespeist wird dieser Motor durch den hütteneigenen Dieselgenerator, denn eine Stromleitung auf dem Pass gibt’s auch nicht.

1981 / 1983

1981 wurde eine Gasanlage installiert, 1983 ein Funktelefon. Endlich gab es auch auf diesem Wege eine Verbindung ins Tal. Der Hüttenfunk für den Kontakt der Hütten untereinander begann in den späten 80 Jahren. Seit dem Entstehen der Mobilfunknetze in den 90er Jahren kann man die Hütte nun direkt übers österreichische Handynetz erreichen.

1984

1984 wurde der Gastraum umgebaut und eine neue Theke installiert, an der wir noch heute unser Bier trinken. Für unsere Gäste wurde ein Trockenraum eingerichtet.

Ab 1984 ließ der Zustand der Materialseilbahn sehr zu wünschen übrig. Bahnwart Herbert Zorn (bis 1983) hatte alle Hände voll zu tun. Jedes Frühjahr waren die Seile durch Lawinen ausgehängt. Es galt die Rollen zu erneuern und viele Streben an den Stützen zu ersetzen. Dennoch ließ der TÜV nur mehr eine halbe Belastung zu.

1986

Im Herbst 1986 wurde nach zähen Verhandlungen mit Behörden und dem neuen DAV-Hauptverein mit dem Bau einer neuen Bahn begonnen. Mit dem Neubau der Bergstation entstand gleichzeitig das heutige Winterlager oder auch Selbstversorgerraum genannt. Rund eine ¾ Million wurde für diese Maßnahmen investiert. Ein weiterer großer Kraftakt zum Wohle unserer Hütte.

Einen Pferdefuß hat unsere Hütte dennoch. Seit der Hüttenerweiterung gab es Probleme mit dem, was jeder Gast auf natürlichem Wege vor Ort zurücklässt. Die im Jahre 1972 installierte und im Jahre 1986 erweiterte Kläranlage hatte den Nachteil, dass sie fürchterliche Gerüche bis auf die Hüttenterrasse blies. Von dem unerträglichen Gestank berichten viele Personen heute noch eindrucksvoll.

Das Wasserwirtschaftsamt verlangte ab dem Jahre 1991 den Bau einer vollbiologischen Kläranlage. Das sogenannte „Scheißhauscouloir“ sollte ausgedient haben.

1992

Im Jahr 1992 entstand die erste vollbiologische Kläranlage im Oberallgäu auf über 2.000 m Höhe. Die Erstellung der Anlage kostete über 450.000,-- DM und wurde zum Teil über Zuschüsse und Darlehen finanziert. Zum Vergleich sei erwähnt, dass der gesamte Erweiterungsbau in den Jahren 72 – 74 „nur“ gute 700.000,-- DM kostete.

Bereits im Winter nach Inbetriebnahme brachen die Deckel der Kläranlage unter der erheblichen Schneebelastung zusammen. Den ersetzten Deckeln passierte im folgenden Winter das gleiche. Die laufend durchgeführten Messungen des Wasserwirtschaftsamtes stellten fest, dass aufgrund von Fäulnisprozessen das Abwasser die Anlage stärker belastet verließ, als es hineinlief. Die von allen Seiten angebrachten guten Ratschläge wurden tapfer befolgt, aber auch sie brachten keine Verbesserung der Reinigungsleistung.

Das zu Hilfe gerufene Ingenieurbüro, das auch die Gesamtanlage projektiert, behauptete der Fehler liege in der schlechten Wartung der Anlage. Das Wasserwirtschaftsamt bestätigte uns das Gegenteil. Bei der Außerbetriebnahme der Anlage mussten wir feststellen, dass nahezu alle eingebauten Behälter Risse aufwiesen. Ein gerichtlich bestellter Sachverständiger musste feststellen, dass sich die Behälter unter den Schneelasten bis zu 20 cm gesenkt hatten und die Anlage als solche zu klein dimensioniert war. Der Plan die Anlage nach einem kompletten Austausch des Innenlebens wieder in Betrieb zu nehmen, war damit von Tisch.

 

 

Im neuen Jahrtausend wurde noch mehr gebaut um unseren Gästen den Aufenthalt noch angenehmer zu machen:

2001

im Mai 2001 wurde die Küche komplett renoviert, seitdem sind die Knödel noch runder und der Schweinebraten noch schmackhafter geworden. Durch die Anschaffung eines neuen leistungsstarken und Diesel sparenden Generators im gleichen Jahr konnte dann auch 2002 eine Kühlzelle im Keller angeschafft werden.

 

2002

Gelöst wurde das „duftende Problem“ im Sommer 2002: in mühsamster Arbeit in überwiegend steilem und felsigem Gelände wurde eine 5 km lange Abwasserleitung über den Warmatsgund bis zur Alpe Schlappoldhöfle gegraben, um von dort unsere Abwässer in den Abwasserkanal der Fellhornbahn einzuleiten. Das unerwünschte Material gelangt mit dieser Methode wieder dahin, wo es herkommt, nämlich ins Tal.

2004

2004 war wieder die Materialseilbahn dran, eine fast komplette Modernisierung mit Verstärken der Stützen, neuen Seilen, einer automatischen Steuerung (also nicht mehr mit Schwung in die Talstation) und einem neuen Antrieb. Damit konnte dann auch die Personenbeförderung im Werksverkehr genehmigt werden. Im gleichen Frühjahr wurden der Herrenwaschraum/-WC und die unteren Damentoiletten im EG modernisiert und umgebaut.

2005

Die Talstation stand lange Jahre auf dem Grund der Familie Graf von Walderdorf. Hier gilt es ein herzliches „Vergelt`s Gott“ auszusprechen. Im Jahr 2005 gelang es der Sektion, auch diesen Grund käuflich zu erwerben. Die Bahn verläuft aber immer noch direkt auf dem Grund des Grafen, mit Seilen und den dazugehörigen Stützen.

2006

2006 bekam der Damenwaschraum/-WC ein neues Gesicht.

2008

Anbau einer neuen Panoramastube mit Ausblick auf Oberstdorf, größerer Trockenraum mit spezieller Be- und Entlüftung. Neue Energieversorgung mit Solarbatterien und Wechselstromrichter.

2013

Um den Komfort unserer Gäste zu erhöhen, haben wir 36 neue Schlafplätze und eine neue Terrasse errichtet.In den Schlafräumen sorgt eine 12,5qm großes Solarluft-System

für ganzjährige Behaglichkeit und schaft ein angenehmes trockenes Raumklima 

2014

Der Umwelt zur Liebe wurde 2014 ein 25 KW BHKW  das mit Pflanzenöl betrieben wird eingebaut, um dem Leistungsbedarf gerecht zu werden kam auch noch eine netzparallele Photovoltaikanlage mit 15 KW Leistung auf das Dach

Für die Sicherheit unserer Gäste wurde ein neues Brandschutzkonzept verwirklicht ( neue Brandmeldeanlage, Brandschutztüren, Fluchtwegskonzept ).